Eine Berlinerin im Exil.

Saturday, October 21, 2006

an den Herbst gewöhnen

ja, jetzt ist der Sommer nochmal wiedergekommen. ich schreibe an einem roman, quäle mich ehrlich gesagt etwas damit. vorallem wegen dem schönen wetter. darum sitze ich tagsüber in einem der cafes in der fussgängerzone. meistens dem, wo es airport gibt. da höre ich mir dann die gespräche der hausfrauen an, das kreischen der kinder und kaffeemaschinen und trinke unmengen kaffee. wenn ich mich dann zittrig und erschlagen uaf den weg nach hause begebe, habe ich manchmal nur seitenweise notizen geschrieben. die geschichte ändert sich täglich, wie das wetter. kai ist wenig zuhause, jetzt in berlin oder münchen. es vergehen oft tage der einsamkeit. jetzt übertreibe ich ein wenig, schliesslich klingelt es hin und wieder mal an der tür und der postbote kommt. wir halten ein pläuschchen. manchmal hat er seine kleine tochter dabei. ein netter kerl.
ich habe die küche eingerichtet, mir kochbücher angeschafft und einige experimente unternommen. selbstgemachte tortellini, indian thali, pflaumenkuchen und allerhand mittagessen, jedesmal was neues, aufregende exotische geschmäcker, feine gewürze und subtile delikatessen. ja, hier kann man ja nirgendwo essen gehen, wie in der kulinarischen execution beschrieben. ich habe es aufgegeben. wenn ich für mich alleine koche, dann zünde ich sogar ne kerze an und singe halleluja oder spreche ein tischgebet für alle meine freunde in berlin, die jeden tag die gleiche speisekarte vor sich haben.
der letzte besuch in berlin war viel zu schön. verdammt. ich habe freunde. tatsächlich. menschen mit denen ich mich verbunden fühle. schon viele jahre. soulmates. brüder und schwestern und einen vater und eine mutter.
ja, die sind alle da in berlin und als ich das letzte mal kam, da wäre ich ehrlich gesagt gerne geblieben. aber wo? zwischen gästebett und schlafsofa. ohne meinen schreibtisch? ohne schlafanzug und pantoffeln. ich frage mich in letzter zeit zunehmend, wie lange ich das hier noch aushalte. dauerurlaub. bald ein ganzes jahr. Jetzt kommt hier der Herbst und ich weiss nicht, mit wem ich hier näher zusammenrücken könnte.
ich staune immer noch, wenn ich am ende der strasse den wald sehe. und die freundlichkeit der leute hier überrascht mich jedesmal. da sind die berliner anders. kaum stellt man eine freundliche frage, bekommt man die überlastung zu spüren. sie krampfen sich ab, es dir recht zu machen, kommandieren dich herum und wollen eigentlich in ruhe gelassen werden. so kam es mir das letzte mal jedenfalls vor.
und so fühlte ich mich nach einer woche auch. ich habe freunde, ja. viele. und so wenig zeit. und dann treffe ich alle hintereinander und am ende kann ich kaum noch zuhören.
so soll das nicht sein. also bitte ich hiermit ausdrücklich um verständnis, wenn ich mich nicht immer bei jedem meiner besuche in der heimat (meistens einmal im monat) melde.

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