Eine Berlinerin im Exil.

Saturday, March 18, 2006

Berlin ohne Eltern

13.-18.2.2006 Siebte Woche
Berlinale. Ich bin dann doch hingefahren. Berlin ohne Vater und Mutter. Sie sind beide nach Brasilien gefahren, um meinen Bruder zu besuchen. Unabhängig voneinander. Das muss hier nochmal betont werden. Sie sind seid 20 Jahren getrennt und seit einem Jahr oder so geschieden. Sie sind im Abstand von zwei Wochen geflogen und treffen sich jetzt zufällig in Curitiba. Ich bin hiergeblieben. Ich bin wiedergekommen. Nach Good old Berlin. Die Stadt ist grösser, fremder, gefährlicher ohne die Familie. Die Wohnung meiner Mutter ist kälter, leerer, ich bin so alleine. Minusgrade unter 10. Eine feindliche Aussenwelt. Ich traue mich nicht aus dem Haus. Überall Verbrecher, Vergewaltiger und Gangfights. Alle tragen Waffen, haben böse Gedanken. Ich sehne mich nach dem netten Städtchen im Taunus. Dorthin, wo die Welt noch in Ordnung ist. Die Berlinale trägt mich von einem Termin zum Anderen, Menschenmengen schieben mich herum, betatschen und verschlucken mich, spucken mich wieder aus.
Meine Termine sind knapp. Ich gebe Audienzen im Cafe. Stundentakt. Schnelles Leben. Viel Kaffee, viel Gerede. Wenig Atem. Gegen ende der Woche breche ich die Berlinale ab und werde privat.

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