Eine Berlinerin im Exil.

Tuesday, February 28, 2006

Back in Berlin

23.1.-29.1.2006 Vierte Woche
Neun Uhr Bahnhof. Ich hab gar keinen Bock. Was soll ich denn schon wieder in Berlin. Mein neues Leben hat doch gerade erst angefangen. Einladung zu einer Gala. Bread'n'Butter. Eine Veröffentlichung. Termine.
Ich wohne bei meinem Kollegen Gerhard Seyfried. Gegenüber von unserer alten WG. Mit Abscheu erinnere ich mich an die letzten Monate in der alten Wohnung. dort stehen also unsere Kartons, die Möbel, der ganze Scheiss, den ich eigentlich doch gar nicht brauche. Am Montag ist der Umzug. Dann bin ich hier raus. Dann ist alles hier weg. Ich bin weg. Endlich. Ich schlafe auf einem Klappbett. Treffe viele Freunde, vertreibe meine Zeit in Cafes und Bars. Berlin ist so anders plötzlich, mit etwas Abstand betrachtet. Ich habe viel mehr Energie. Bin neugieriger, wacher. Es wird jede Nacht spät, bevor ich auf mein Klappbett falle.
Soviel Spass hatte ich in Berlin seit Jahren nicht mehr. Alle sind traurig, dass wir wegziehen. Einige Tränen in den Augen. Kenne ich von mir, wenn andere weggezogen sind. Aber die meisten kommen wieder. Berliner halten es nicht lange woanders aus, sagt man mir. Das stimmt auch. Ich kenne kaum jemanden, der den Absprung geschafft hat.
Ich werde es schaffen, nehme ich mir vor. Wenn Wiesbaden langweilig geworden ist, dann gehen wir nach Paris, New Yorck, Sao Paolo. Mein Bruder ist in Brasilen. Er hat es geschafft. Wer weiss, ob er wiederkommt. Vielleicht ziehen wir dann zu ihm. Nur nicht zurück nach Berlin. Nicht rückwärts leben. Nicht alles wiederholen. Abenteuer. Weiter. Mein Herz schlägt wild und frei, ich träume von der grossen weiten Welt. Wiesbaden. Es ist immerhin ein Anfang und für eine Berlinerin schon ein grosser Schritt. Den muss man mal gemacht haben, sagen alle. Einmal im Leben die Stadt wechseln. Ich kann mir nicht vorstellen in Wiesbaden länger als ein paar Jahre zu bleiben. Die sind schnell um, sagt meine Freundin. Und dann wirste da alt. Ich will das nicht hören, schreckliche Vorstellung. Du kommst eh wieder, sagen die anderen. Das hältst du doch nicht aus da. Gerade du! In nem halben Jahr haste die Schnauze voll von der Provinz.
Von wegen Provinz, es ist immerhin die Landeshauptstadt von Hessen. Ausgerechnet von Hessen.

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